Meine Fitness ist gar nicht mal so schlecht

Mein Freund ist auch ein Sportler. Kein richtiger Sportler, also kein Kraftsportler (höhö). Aber immerhin ein Läufer. So hält er sich fit. Und durch Laufen und Ernährungsumstellung hat er 45kg abgenommen.

Vor ein paar Tagen kamen wir auf die glorreiche Idee mal zusammen zu laufen. Ich laufe einmal die Woche auf dem Laufband oder auf dem Stepper oder fahre auf dem Fahrradergometer eine halbe Stunde um meine Kondition nicht komplett zu verlieren durch den Kraftsport.

Ich habe ihn sofort vorgewarnt, dass ich vermutlich nach einem Kilometer hustend und prustend aufgeben werde wie der Wolf in der Geschichte mit den drei kleinen Schweinchen.

Mir ist nämlich bewusst, dass das Laufen draußen eine vollkommen andere Geschichte ist, als das Laufen auf einem Laufband. Und ich habe mit dem Schlimmsten gerechnet. Ich habe die Enttäuschung schon in seinen Augen gesehen. Deswegen habe ich keine zu hohen Erwartungen schüren wollen.

Vor allem aber hält mich mein Freund für wirklich superfit. Für fitter als ich mich selbst. Und ich glaubte, dass er damit falsch liegt.

ABER: Es ging erstaunlich gut. Ich konnte nicht nur durchhalten (ca. 1h) ich bin auch schneller gewesen als er. Ich habe ihn richtig abgehängt. Und als er (er hat versucht Schritt zu halten) hustend und prustend neben mir zum Stehen kam, da hatte ich noch Energie um diesselbe Strecke nochmal zu laufen. Ich war ziemlich perplex

Ich schätze mein Freund hat doch Recht und ich bin fitter als ich selbst so glaube. Nebenbei habe ich in den letzten Tagen auch festgestellt, dass ich genauso stark bin wie mein Freund. Das bedeutet, dass ich die 20-40% aufgeholt habe die Männer im Durchschnitt stärker sind als Frauen.

Gestern habe ich im Fitti das erste Mal einen Satz Kreuzheben mit 70kg geschafft. Aber nicht einfach nur so für mich wie üblich. Nein, sondern so das alle um mich rumstanden und der Trainer mich motiviert und angefeuert hat. Alle haben dabei zugeschaut. Und ich glaube, aus den Augenwinkeln anerkennende Blicke der umstehenden Männer gesehen zu haben. Das war ein krasses Gefühl. Routinierte Fitti-Gänger kennen das vielleicht, dass, wenn sich ein Sportler ein besonderes Ziel vorgenommen hat, andere anerkennend und anfeuernd zuschauen. Nun war ich zum ersten Mal Mittelpunkt eines solchen Events.

Ich mache in letzter Zeit häufiger die Erfahrung, dass ich doch ziemlich fit bin. Fitter als die Meisten da draußen jedenfalls. Ich mache jetzt schon eine Weile Sport und frage mich wann das passiert ist. Scheinbar in der letzten Woche. Wie das von außen wahrgenommen wird ist aber eher Inhalt eines anderen Beitrages auf den ich mich schon freue.

Gruppen-Spasten

Es gibt in so einem Fitnessstudio viele Beobachtungen die man machen kann. Insbesondere wenn man Kraftsport betreibt. Während der Übungsausführung hochkonzentriert und während der Pausen zwischen den Sätzen von ca. 90 Sekunden schweift der Blick und man kann die anderen Trainierenden etwas beobachten.

Was man da so sieht kann Bewunderung oder auch tief empfundenes Unverständnis auslösen. Hier geht es diesmal eher um Letzteres.

In regelmäßigen Abständen sieht man da so kleinere Gruppen von Männern die zusammen zum Sport kommen. Nicht die üblichen Verdächtigen. Die kennt man als 4-Mal-die-Woche-Sportler irgendwann. Man grüßt sich und fragt nach der Frau.

Ich meine diejenigen die sonst irgendwie nie da sind aber wenn sie es doch sind einen auf King Karl persönlich machen. Voller Ahnung vom Sport und dem Leben. Zumindest glauben sie das von sich selbst. Was diesen gruppen gemein ist, dass es sich immer um junge Männer handelt von denen einer glaubt so eine Art Oberboss zu sein. Also die anderen 2 (meist sind es Dreier-Gruppen) sind so kleine Bosse und wenn man die besiegt hat kommt man zum Oberboss – so in der Art. Gemein haben sie auch, dass sie in Wirklichkeit keine Ahnung haben was sie tun. Keiner von denen. Schlimm da zuzuschauen.

Als erstes fällt die Übungsausführung ins Auge. Natürlich muss keiner von denen sich warm machen. Die sind schon von Natur aus so heiß – da braucht man das nicht. Dann werden Gewichte auf die Stangen geknallt als gäb’s kein Morgen. Und dann wird die Übung in der schlimmsten Form ausgeführt. Also vom Das-war-Mist-Level her fast wie die Youtube-Videos mit den Gym-Fails. Ich muss dann immer an Michael Jordan denken, der für solche Videos oft bemüht wird. Der hat vor einer Ewigkeit mal einen Anti-Drogen-Werbespot gedreht und den legendären Satz gesagt: „Stop it! Get some help!“ Gut, es sind zwei Sätze.

Da werden Kniebeuge mit 100kg gemacht für die man wirklich lange und ausdauernd trainiert haben muss. Da die das aber nicht schaffen, werden die Knie eben nur andeutungsweise gebeugt. Oder das Bankdrücken läuft wie im Zeitraffer ab bei minimaler Beugung der Ellenbogen. Der Oberboss macht’s vor und die Minibosse machen’s nach. Gerne auch ohne Klemmen, die die Gewichtsscheiben auf der Stange halten damit nix runterfällt wenn man mit der Stange dann doch mal schief kommt. Passiert ja schnell. Also gefährlich ist das, was die da machen auch noch.

Dabei fühlen die sich aber so bewundert. Diese Männergruppen trainieren nicht für sich. Die trainieren für mich. Und für alle anderen die drumherum trainieren. Man soll schauen wie toll die sind. Sind sie aber nicht. Toll ausgebildete Muskulatur, also solche die für diese Gewichtsklassen nötig ist, haben die nämlich nicht. Und dann geben die sich auch noch gegenseitig Tipps – mir bluten da manchmal die Ohren. Aber Hinweise sind da natürlich umsonst. Auch noch welche von einer Frau. Aber auch unsere Trainer könnten genausogut mit den Gewichtsscheiben selbst reden.

An diese Typen:

„Keiner bewundert euch, ihr Klapser!“

Geht gefälligst ordentlich trainieren! Dann bekommt ihr auch den Respekt den ihr euch scheinbar so sehr wünscht und den man von den anderen Krafties auch leicht bekommen kann wenn man Lernwilligkeit und Durchhaltevermögen an den Tag legt.

Weg mit der Arschbanane

Es ist schon interessant, wie sich das Schönheitsideal so ändert.

Also früher einmal, da gab es eine Zeit, ich erinnere mich genau, da sollte eine Frau Körbchengröße C haben, einen flachen Bauch, mittelgroßer Arsch – am besten in Apfelform.

Und irgendwann da war das dann plötzlich anders. Erst schleichend, und dann doch ganz plötzlich. Auf einmal war dürr ganz toll. Frauen sollten dünn sein. Nicht schlank – sondern dünn. Und zwar am ganzen Körper. „Kein Arsch, keine Tittchen – sieht aus wie Schneewittchen“ oder wie der Spruch nochmal geht.

Frauen wie ich (heute) hatten auf einmal keine Chance mehr bei Männern. In Kontaktanzeigen standen häufig Begriffe wie „skinny“. Ich habe einmal beim Friseur eine Zeitung zur Überbrückung der Wartezeit gelesen. Es war eine „Fit for Fun“ glaube ich. Und da gab es einen Artikel der hieß „Weg mit der Arschbanane“ oder so ähnlich. Ich musste erstmal nachschauen was eine Arschbanane ist.

Falls ihr genauso ratlos seid: Eine Arschbananae oder auch Pobanane ist ganz einfach die Falte die unter dem Po ist. Also quasi die Grenze zwischen Oberschenkel und Po). Und scheinbar durfte man keine haben.

Hat sogar gepasst. Ich war zu dem Zeitpunkt so dünn durch Low Carb und Probleme, dass ich tatsächlich keinen Arsch mehr in der Hose hatte. In dieser „dürren“ Zeit wurde ich auch sehr oft von Männern angesprochen.

Aber das Ideal ist weitergezogen. Heute ist eine Arschbanane mehr als willkommen. Denn jetzt, liebe Frauen, sollen wir „curvy“ sein. Also nicht so richtig curvy. Sondern dünn-curvy. Also sozusagen dünn aber mit dem Arsch von Kim Kardashian oder so. Jemand sollte den Leuten die sich diese Trends ausdenken mal sagen, dass die Kardashian Implantate im Arsch hat. Und dass das im Bikini echt verboten aussieht bei der.

Im Ernst, wenn man jedem Schönheitsideal nachjagen würde, wäre man ein sehr unglücklicher Mensch. Weil das nämlich nicht geht. Das ändert sich so schnell. So schnell kommt keiner hinterher.

Einen Trend den ich ganz gern sehe als Powerbuilderin ist der Fitthick-Trend. Ich wüsste nichtmal was das ist ohne Instagram. Unter #fitthick findet man die ganzen trainierten Frauen die richtig muskulöse Rückseiten und Oberschenkel haben, dabei aber einen flachen Bauch. Sehen halt ordentlich trainiert aus die Guten.

So werde ich auch mal aussehen und ich freue mich schon darauf – Trend oder nicht.

China und die Religion

Gewagtes Thema. Deswegen zunächst ein obligatorisches Vorwort. Der Inhalt dieses Posts enthält subjektive Einschätzungen, die ich aufgrund von mir gemachter Beobachtungen treffe. Es handelt sich nicht um die ultimative objektive Wahrheit. Das heißt nicht, dass meine Einschätzungen falsch sind. Es ist nur so, dass China eine so vielfältige Kultur hat, dass verschiedene, ja sogar widersprüchliche, Einschätzungen die am selben Ort zur selben Zeit von verschiedenen Menschen getroffen werden alle gleichermaßen wahr sein können. Erst recht gilt das für verschiedene Menschen an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten. That said, kann es losgehen.

Impressionen der chinesischen Religionsausübung

Ganz wichtig zu verstehen, wenn man über China und die Religionen dort spricht ist, dass China ein maoistischer Staat ist. Kein kommunistischer Staat, dazu ist die Volksrepublik viel zu kapitalistisch eingestellt. Aber eben maoistisch. Das bedeutet im Hinblick auf die Religion, dass sie Religionen gegenüber etwa so eingestellt sind wie die DDR. Religionen bzw. Religionsausübung ist zwar nicht verboten aber wird von Vater Staat argwöhnisch beäugt. So kommt es auch, dass es in China eine Vielzahl von Religionen gibt, die friedlich koexistieren, und auch akzeptiert werden. Mehr zuweilen als in manch westlichem Staat – (*hust* USA *hust*).

Das ganze steht aber gewissermaßen unter einer Bedingung. Alle Religionen können sich dort frei entfalten solange sie ihren Glauben nicht zu ernst nehmen. Wer tatsächlich streng gläubig ist und danach lebt, also auch das Supremat eines Gottes oder mehrere Götter anerkennt, könnte schon Probleme kriegen. Es ist kein Problem Muslim zu sein. Aber 5 Mal am Tag die Arbeit niederzulegen um zu beten geht nicht in einem Land, in welchem Produktivität und Fleiß hohe Werte der Gesellschaft sind. Zumindest ist es nicht so gern gesehen.

Ältester Tempel in Chongqing

„Gut“, könnte man jetzt sagen, „was ist aber mit den ganzen (vor allem buddhistischen) Tempeln und den vielen buddhistischen Mönchen?“ Die gibt es. Das steht fest. Nun ja, hier fängt das Paradox an. Ich habe dazu einige Chinesen befragt. Diejenigen, die auch lange Zeit im Ausland gelebt haben, und gewissermaßen auch einen Blick von außen auf China haben, sind der Meinung, dass der Buddhismus sehr fest in der chinesischen Gesellschaft verankert ist. Chinesen die noch nie anderswo gelebt haben bestreiten dies. Ich, aus meiner beschränkten Sicht und mit meiner wenigen Erfahrung mit der chinesischen Kultur würde es so ausdrücken: Die buddhistischen Traditionen sind noch sehr tief in der chinesischen Kultur verankert.

Die große Moschee von Xi’an

Allerdings, und jetzt kommt der Clou, beschränken sich diese Traditionen auf leere Hüllen. Es sind Symbole die wenig bis gar keine Bedeutung für den Einzelnen haben. Und an dieser Stelle habe ich wieder Parallelen zu Deutschland ziehen können. Denn hier ist es oftmal auch so. Natürlich gibt es hierzulande auch Menschen die ihren Glauben ernst nehmen und ihn hingebungsvoll praktizieren. Das möchte ich nicht schmälern. Aber oftmals ist der Glaube des Einzelnen doch geprägt von einem Mangel an Zweifel und dem Verlieren in leeren Gesten.

Beispiele

Tatsächlich sind mir die Gedanken zur Religionsausübung in Deutschland erst durch meinen Aufenthalt in China gekommen. Ein paar Beispiele damit man es sich besser vorstellen kann.

In China besuchen die Leute sehr häufig Tempel und Klöster. Dort knien sie sich vor die Buddha-Statuen und bitten um etwas. So ist es Tradition. Aber nicht weil sie tatsächlich glauben würden, dass der Buddha ihnen einen Wunsch erfüllt. Mitnichten. Sie tun es weil man das nunmal so macht wenn man in einem Tempel ist. Das geben die meisten auch unumwunden zu. Es ist einfach eine Tradition, die eben erhalten wird. Genaugenommen verbinden die meisten Chinesen diese Geste gar nicht mit Religion.

Und jetzt muss man sich nur mal fragen warum in Deutschland in weiß geheiratet wird. Ursprünglich entstanden um die Jungfräulichkeit der Braut zu symbolisieren, ist es heute einfach nur noch etwas was man tut, weil man das eben so tut und weil alle das tun. Die Jungfräulichkeit ist jedenfalls wohl in den seltensten Fällen gemeint.

Tempel in Chongqing

In vielen Fällen, so glaube ich, bezeichnen sich Christen hier als Christen weil die Eltern Christen sind und dafür gesorgt haben, dass die Kinder getauft (und u.U. konfirmiert oder kommuniert) werden. Aber sie bezeichnen sich nicht als Christen weil sie einen tiefen Glauben haben und das Wort Gottes ernst nehmen. Die einzige Gelegenheit wo diese sogenannten Christen eine Kirche besuchen sind Hochzeiten und Christmetten. Weil man das halt so macht.

Das besondere an China ist an dieser Stelle, dass die maoistische Erziehung derart gefruchtet hat in den Köpfen der meisten Menschen, dass diese wenn man sie fragt warum sie Buddhist oder Konfuzianist oder Taoist sind, zur Antwort geben, dass sie es „geerbt“ hätten.

Sie glauben nicht aus sich heraus sondern weil die Eltern und deren Eltern schon diese Religion hatten. Auch hier bringen sie diese Aussagen fast gar nicht mit Religion in Verbindung.

Der Emei Shan

Natürlich obliegt es mir nicht den Glauben einer Person zu beurteilen. Ich kann in niemanden hineinsehen, und natürlich nicht beurteilen wie tief oder wahrhaftig jemandes Glaube ist. Ich spreche hier nur von den Dingen die ich von außen wahrnehme und subjektiv nach meiner Erfahrung und meinen Bias bewerte so wie jeder andere auch. Es sei hier nochmal auf die Einleitung dieses Textes verwiesen.

Ich bin damals auf den Emai Shan gepilgert. Einer der vier heiligen Berge des Buddhismus. Heilig ist daran nicht mehr viel. Es ist ein Ausverkauf. Und die Leute pilgern nicht dorthin weil sie ihren Glauben testen möchten oder um die Erfüllung eines Wunsches hoffen sondern weil es eine Sehenswürdigkeit ist. Man kann auch ganz bequem mit Bus und Seilbahn hochfahren wenn man sich die 3-4tägige Wanderung sparen will. Noch nie war Erlösung so einfach. An gut erreichbaren Stellen stehen Imbisse und verkaufen kräftig was sie halt so hochschleppen konnten. Es gibt sogar Hotels in Gipfelnähe. Auch das wird fast gar nicht mehr mit Religion in Verbindung gebracht. Deswegen wird die Pflicht als guter Buddhist alle vier heiligen Berge des (chinesischen) Buddhismus zu erklimmen auch eher als Urlaubsvorschlag gesehen, denn als tatsächliche Pflicht.

Ein Land voller Ungläubiger und Tempel also. Ich habe jedenfalls den Eindruck gewonnen, dass die Chinesen über ihren Glauben etwas ehrlicher sind als die Deutschen. Das ist mir erst klar geworden als ich wieder hier war.

Über den Besuch bei der muslimischen Minderheit in der Nähe von Ürümqi, welche regelmäßig Terroranschläge verübt schreibe ich ein andernmal. Das würde hier jetzt jeden Rahmen sprengen.

Endlich mal zum Schluss kommen

So! Das wird jetzt der letzte Beitrag zu „The evolution of me“. Also nicht der letzte Beitrag über Sport aber der letzte über meinen Werdegang. Ganz schön egozentrisch, sowas tatsächlich auf 4 Posts auszudehnen. Aber es war im Idealfall auch etwas unterhaltsam.

DIeser Beitrag wird jetzt etwas kürzer. Hoffe ich jedenfalls. Eigentlich gibt es auch nicht mehr sooo viel zu erzählen. Ich habe mich dann im Fitnessstudio meiner Universität angemeldet. Davon gibt es mehrere. Und es kostet nur 40€ pro Halbjahr. Was will man mehr. Da laufen auch viele Trainer herum, die echt was davon verstehen.

Und dann habe ich aber immernoch nicht mit Kraftsport angefangen. Zunächst einmal habe ich KERNWERK genutzt. Die App fand ich dann gut. Trainings die, je nachdem was man so einstellt, das Training anpassen. Vom Gewicht her. Von den Wiederholungszahlen her. Jeden Tag ein neues Worjout. Und es kostet ab 5€/ Monat. Das ist der Mindestbetrag – ansonsten sucht man sich aus wieviel man zahlen will. Auch ein neues Konzept. Und je länger man die App nutzt, desto mehr passt sich das Training einem an. Also je nachdem was man so an Leistung erbringen kann. Man hat auch mal mit Langhanteln zu tun, aber hauptsächlich eigenes Körpergewicht und Kettlebells werden genutzt. Ich promote die nicht, keine Angst. Aber ich fand die eine Weile echt recht gut. Der Nachteil bei KERNWERK ist derselbe wie bei jeder Sport-App. Keiner schaut einem zu ob man das auch richtig macht. Gut, im Fitti schaut schon der ein oder andere Trainer mal hin. Aber nicht wenn man nur so Bodenübungen auf der Matte macht. Und da war immernoch mein Wunsch Kraftsport zu machen. Ich habe mich immer schon riesig auf KERNWERK-Workouts gefreut, in denen Langhanteln vorkamen. Da habe ich mich immer gefühlt wie eine von den Großen.

So habe ich mir aber auch nach und nach gewisse Übungen angeeignet wie Deadlifts (Kreuzheben) und Squats (Kniebeuge mit Gewicht). Das war ein guter Grundstock.

Irgendwann hat mir ein Trainer von Powerbuilding erzählt. Ich solle das mal googeln. Hab ich. Und seitdem mache ich das. Man findet leider nicht solche Massen im Internet dazu. Aber ein paar Trainingspläne und Anleitungen gibt es schon.

Was ist Powerbuilding?

Powerbuilding ist eine Mischung aus Powerlifting und Bodybuilding.

Ich finde das super. Man ist danach aber vollkommen tot. KERNWERK hat zwar einen Teil für Kraftsport. Aber die Anfänger-Workouts haben sich mir manchmal einfach nicht ganz erschlossen. Also warum man gerade diese Übungskobination machen soll. Also: Abo gekündigt, neuen Trainigsplan gekriegt und jetzt ordentlich am sporteln.

Gewichtsmäßig (also die Scheiben auf den Hanteln) geht es dadurch ehrlich gesagt erstmal bergab. Denn wie sich herausgestellt hat habe ich in China alles falsch beigebracht bekommen. Und auch sonst gilt: richtige Haltung, richtige Bewegungsausführung – und schon ist die Übung schwerer. Also Gewicht runter – Muskelermüdung rauf. Es ist Hammer! Dabei bleibe ich jetzt bis auf Weiteres.


P.S. Dort guckt keiner komisch wenn man als Frau Kraftsport machen will. Im Gegenteil man wird unterstützt. Und deshalb weiß ich auch, dass die anderen Fittis das nicht wollten. Weil ich jetzt nämlich weiß, wie sich Unterstützung anfühlt.

Weiter geht’s!

Also nachdem ich nun beschrieben habe wie es so in der Volksrepublik um die Schönheit bestellt ist, lauschet nun dem Fortgang meiner sportlichen Ambitionen.
Ich habe ja nun schon fleißig Sport zuhause gemacht mit DVD und so. Aber das hat mir irgendwann nicht mehr gereicht. Ich wollte weiter. Und obwohl Kraft-Ausdauer zuhause keineswegs lächerlich ist und auch sehr sehr anstrengend sein kann, wollte ich weg von Terrabändern und 2kg-Hanteln. Ich wollte Bodybuilding machen! Das war mein erklärtes Ziel.
Allein, wie stell ich’s an?
Nun, zunächst wollte ich mir ein Fitnessstudio suchen. Da ich damals nicht in meiner Universitätsstadt wohnte, sondern ca. 45min. entfernt, in einer kleineren Stadt habe ich mir Fitti’s gesucht, die auf dem Weg liegen. Für größere Umwege hatte ich weder Zeit noch Muße.

Gleich das erste war eine Enttäuschung. Ich war zum Probetraining, und habe gesagt was ich erreichen will. Und was habe ich bekommen? Zirkeltraining! Ich weiß, ich weiß, das ist auch Sport. Und ich sage ja gar nix dagegen. Nur Folgendes: 99,9% der Frauen (gefühlt) kommen ins Fitnessstudio um abzunehmen. Gerade zum neuen Jahr strömen sie alle in den heiligen Fitnesstempel und möchten den Weihnachtsspeck weghaben. Wie wird das erreicht? Na indem sie ihre wertvolle Lebenszeit auf dem Stepper verbringen und beim Zirkeltraining. An den Maschinen (die in vielen Fittit’s tatsächlich schon im Kreis aufgestellt sind, also einen Zirkel beschreiben) machen sie dann ihre drei Runden mit 25 Wiederholungen. 25 Wiederholungen! Mir war sofort klar: das ist Cardio! Der Todfeind des Bodybuilders. Ein echter Kraftsportler nimmt die ganz großen Gewichte und davon macht er dann 3 Wiederholungen. Alles andere ist doch schon Cardio. So dachte ich damals. Ist natürlich Quatsch. Weiß ich heute.

Auch Kraftsportler, egal ob Powerlifter oder Bodybuilder gehen an die Geräte. Aber die Wiederholungen und das Volumen was der Trainer mir aufdrücken wollte war trotzdem nichts für mich. Also 25 Wiederholungen sind wirkjlich Quatsch. Und das bei minimalstem Gewicht. An die Hanteln wollte er mich gar nicht ranlassen. Hat der nicht gesehen, dass ich schon ’ne ordentliche Muskulatur habe? Doch, wahrscheinlich schon. Aber Frauen sind nunmal zum Abnehmen da. Basta. So will es das Gesetz!

Ich war total genervt. Ich wollte Gewichte und krieg das Training für den After-Baby-Body. Und dafür sollte ich dann auch noch jeden Monat ordentlich Schotter bezahlen. Schon da hatte ich die Vermutung, dass es einfach nicht so richtig gewollt ist, dass Frauen Kraftsport machen. Frauen mit Muskeln sehen ja auch Bäh aus. Kennen wir doch alle aus dem Fernsehen. Ganz schlimm. Wie ein Mann und so.

Also ab ins nächste Fitti. In Bahnhofsnähe. Perfekt! Kurz bevor ich nach Hause fahre, hole ich meine Sporttasche aus dem Auto und zuckel dorthin. Aber: es war ein Frauen-Fitnessstudio. Dem Trainer habe ich erklärt was ich machen will. Und der antwortete nur: „Sie wissen aber schon, dass das hier ein Frauen-Fitnessstudio ist oder? Klar wusste ich das. „Das können sie hier natürlich nicht machen.“ Die Chefin mischte sich ein und versicherte mir, dass es natürlich schon möglich sei. Aber die hatten ja nichtmal einen Freihantelbereich. Die hatten nur Zirkeltraining und einen großen Wellness-Bereich – was Frauen sich halt so wünschen. Ich scheine also keine Frau zu sein.

Das waren zwei der Fitti’s die ich mir angeschaut habe. Ich habe aber in allen solche oder ähnliche Erfahrungen gemacht. Und ich war richtig angepisst. Mein Feministinnen-Herz schlug höher. Man wollte nicht, dass ich Kraftsport mache weil ich eine Frau bin. Manche sagten mir, ich bilde mir das nur ein. Aber Leute, ich weiß ich hatte Recht. Und noch bevor ich mich zwischen dem Pest-und dem Cholera-Fitti entscheiden konnte kam auch schon mein Auslandssemster in China. Also wollte ich die Gelegenheit beim Schopfe packen und dort mit Kraftsport anfangen. Neues Land, neues Glück oder wie das heißt. Dabei spreche ich nicht mal Chinesisch. Und 95% der Chinesen nichts außer Chinesisch.

An Tag zwei meines China-Aufenthaltes habe ich mich also in einem Fitti angemeldet. Ein Chinese war dabei der tatsächlich rudimentäre Englisch-Kenntnisse hatte. Und genau deswegen habe ich im vorhergehenden Artikel erst einmal das weibliche Schönheitsideal in China beschrieben. Denn wenn ich schon dachte, man will mich hier in Deutschland mit Gewalt vom Kraftsport abhalten, dann war China der Super-GAU.
Schon beim anfänglichen Fitnesstest hat der Trainer mir ständig am Rücken und der Schulter rumgefummelt. Ich fragte meinen Übersetzer warum er das mache. Antwort: „He thinks you have big muscles.“ Ich bin mir ziemlich sicher, dass er noch nie so eine muskulöse Frau wie mich gesehen hat, obwohl man mich hierzulande wohl einfach als „fit“ bezeichnen würde.

Fahrradergometer in chinesischem Fitti

Und das Training, dass für mich angedacht war…. Leute, ihr müsst mir einen Gefallen tun: Ihr müsst mir das jetzt einfach glauben. Es wird gleich klingen als ob ich eine Karikatur beschreibe, aber so wahr ich hier an meinem Schreibtisch sitze und das hier tippe – so war’s.

Der Trainer wollte natürlich nicht, dass ich mit den großen Hanteln spiele. War ja klar. Da ich eine exotische „Langnase“ war hat mir das ganze Fitti neugierig zugeschaut. Die standen nicht im Kreis um mich rum, aber haben ständig zu mir gelinst und „heimlich“ (naja, so heimlich war es ja offensichtlich nicht“) mit ihren Handys gefilmt. Dann hat der Trainer eine 1kg-Hantel hingelegt und mich aufgefordert die anzuheben. Ich tat wie geheißen. Das ganze Fitti war erfüllt von „Aaahhhhhh“ und „Ooohhhh“. Erstaunte Rufe der Bewunderung und der Faszination. Handykamerablitze blitzten. Ich hatte die Aufmerksamkeit aller. Ich wusste gar nicht was los war bis mir mein Übersetzer mit ungläubiger Miene sagte: „You’re very strong“. Das war ein verficktes Kilogramm und die haben so getan als ob ich gerade Exkalibur aus dem Stein gezogen hätte. Excuse my french. Da wusste ich jedenfalls: das wird hier nix. Ich bin natürlich weiter zum Sport gegangen. Ein halbes Jahr ohne halte ich doch schon lange nicht mehr aus. Da würde mein Kopf schon nicht mitmachen. Der würde dann komische Gedanken denken. Ich bin also weiter hin. Fast jeden Tag. Und ich hatte mal Gelegenheit die Chinesen beim Sport zu beobachten. War tatsächlich auch ganz interessant.

Also zunächst mal muss man hier sagen, dass Asiaten nicht so gut Muskeln aufbauen wie wir Europäer. Die sind halt auch einfach sehr dürr. Wenn die Jahre lang trainieren und immer schön stoffen und auf ihre Ernährung gucken, da haben die vielleicht so etwas wie einen Bizeps. Aber auch nur vielleicht und wenn die Sterne gut stehen. Also so Pumper wie wir sie uns vorstellen gibt es ganz selten.

Einige kommen ohne Sportklamotten und machen direkt in ihren Straßenklamotten „Sport“. Können sie auch. Die schwitzen nämlich nicht. Die kommen erholt vom Sport. Auf den Laufbändern latschen sie gemütlich 10min. vor sich hin. Und danch setzen sie sich auf ein Gerät stellen 0,0kg Gewicht ein und checken ihre Mails und ihre neuesten Wechat-Nachrichten. Und das STUNDENLANG. Keine Übertreibung. Wenn man auf sie zugeht um zu fragen ob sie das Gerät noch brauchen führen sie die Übung genau einmal aus (mit 0 Gewicht) um zu zeigen, dass sie das Gerät noch benutzen. Also die Frauen. Damit sie bloß keine Muskeln entwickeln. Ich habe mich oft gefragt warum die überhaupt kommen. Dehnübungen, die machen sie. Das finden sie gut. Aber davon kriegt man auch keine Muskeln.

Ich wollte dann auch mal an die Multipresse und Squats machen und so etwas. Oder Bankdrücken lernen. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen. Der Chinese der am ersten Tag für mich übersetzt hat sagte mir dann, dass man mit solchen Übungen nur ganz ganz kleine unwichtige Muskeln trainiert. Ich solle mich doch auf die großen Muskeln konzentrieren. Netter Versuch. Ich habe dort eine „Kraftsportlerin“ gesehen. Die hat immer 0,5kg-Hanteln angehoben. Und hinter ihr stand ein Typ und hat noch von unten gegen die Oberarme gehalten und sie gespottet. Gespottet! Damit die sich an nem halben Kilo nix tut!!!

Aber das ist natürlich auch alles irgendwie Show. Wenn wir mal ehrlich sind. Ich verstehe, dass Männer von Natur aus körperlich stärker sind als Frauen. Normalerweise jedenfalls. Aber wenn man Trouble hat ein halbes Kilo hochzukriegen könnte man ja nicht mal in der Mensa sein gefülltes Tablett zum Tisch bringen. Das ist eine Show die aufgeführt wird um Männer glauben zu lassen man wäre wirklich sehr sehr schwach. Weil das attraktiv ist. Ich bin da manchmal verzweifelt. Da gelte ich dort lieber als fett als diesen Zirkus mitzumachen. Ich stelle mir das auch sehr anstrengend vor.

Die Anfänge

And now for something completely different…

Ich möchte hier natürlich nicht nur über Sport schreiben, sondern hin und wieder auch etwas anderes erzählen können. An Geschichten dafür mangelt es nicht in Anbetracht der Tatsache, dass ich ein halbes Jahr in China gelebt und kein Wort darüber gebloggt habe. Genau genommen – lange gar nicht gebloggt habe.

Deswegen wird es in diesem Artikel um China gehen. Und ganz nebenbei ist das auch noch wichtig um meine Sportgeschichte weiterzuerzählen.

Das Thema wird das weibliche Schönheitsideal in China sein. Nun weiß ich natürlich, dass darüber schon viel geschrieben wurde. Googel weiß Rat wenn man Informationen darüber sucht. Aber für mich ist das etwas vollkommen anderes. Denn ich habe es live gesehen. Und dann ist das für einen selbst natürlich etwas vollkommen anderes und aus einem vor Exotik strotzenden kurzweiligen Vortrag wird gelebte Erfahrung. Toll ist das.

Aber der Reihe nach. Wie wohl die meisten wissen werden, geht das Schönheitsideal in China sehr in eine westliche Richtung. Die Chinesen wollen angeblich so aussehen wie „Westler“. Das stimmt eigentlich so nicht. Die Chinesen mögen vieles am Westen und kopieren auch vieles. Aber das Äußere nun nicht gerade. Besser gesagt: sie nehmen sich ein bisschen was vom Westen und machen etwas ganz Chinesisches draus. Wie das Chinesen halt so zu tun pflegen. Vom „Westen“ haben sie den hohen Nasenrücken und die großen Augen übernommen.

Double Eyelid Tapes

Dazu muss man wissen, dass die chinesischen Frauen sehr viel für ihr Äußeres tun in gewisser Hinsicht. Sie benutzen zwar deutlich weniger Make-up als westliche Frauen (die meisten jedenfalls) aber sie stellen andere Sachen mit sich an und das mutet zuweilen etwas bizarr an. Die Chinesen haben ja ein Mono-Eyelid. Also sie haben keine doppelte Lidfalte. Nun kommt es dabei auch darauf an aus welcher Gegend in China man kommt. Es gibt durchaus Chinesen die ein Double-Eyelid haben und daher als attraktiv gelten.

Alle anderen die nicht mit der Gnade der Geburt in diesen Gegenden gesegnet sind können sich ein Doppellid dadurch zaubern, dass sie so einen Move mit ihrem Lid machen. Ich kann das schlecht beschreiben und schon gar nicht ausführen aber es ist eine einzige Bewegung und, schwupps, haben sie eine doppelte Lidfalte. Allerdings ist das nur von kurzer Dauer. Sobald diejenige zwinkern muss, ist der Zauber auch schon vorbei. Um ihn aber etwas länger zu erhalten benutzen die Chinesinnen Double Eyelid Tapes. Damit kleben sie sich die Augenlider fest. Es gibt Drogerien die ganze Regalreihen mit diesen Teilen füllen. Leider habe ich meine Fotos dieser Regalreihen verbaddelt (wie man hier so schön sagt).

Aber das ist natürlich nicht das einzige Kuriosum. Die Chinesen (die sich selbst als gelb bezeichnen) möchten gerne weiß sein. Das ist so etwas was ich wohl nie begreifen werde. Denn natürlich sind Chinesen nicht wirklich gelb. Das kommt noch aus einer Zeit wo man Asiaten nur aus Erzählungen von Abenteurern kannte aber selbst nie einen gesehen hat. Nun kommt es natürlich auch wieder darauf an aus welcher Gegend in China man kommt aber die meisten Chinesen sind weiß. Punkt aus. Die sind weißer als ich. Die sind weißer als Du (eventuell). Aber das Schönheitsideal geht zu weißer als weiß. Deswegen laufen die ständig mit Sonnenschirmen rum. Selbst wenn sie nur 3 Meter über die Straße gelaufen sind in ein anderes Uni-Gebäude. Nie ohne Sonnenschirm. Beim Autofahren tragen die Frauen Stulpen an den Armen weil die Unterarme sonst braun werden. Und sie benutzen Gesichtsmasken.

Kleine Anekdote hier am Rande: Ich wusste das anfangs ja nicht. Dann fragte mich eine Chinesin ob ich auch so eine Maske benutzen würde. Ich fragte sie was sie denn meine. Und sie meinte was für eine Gummimaske ich benutzen würde. Diese Gummimaske die ich nachts immer heimlich tragen würde. Ich habe ihr gesagt, dass sie mich defintiv verwechseln würde und habe sie schon für etwas creepy gehalten. Erst als mich noch mehr Chinesinnen nach diesen Masken gefragt haben habe ich das gecheckt

Ob die Masken helfen konnte mir keine einzige Chinesin mit „Ja“ beantworten aber sie hoffen es halt. Es geht dabei um diese Tuchmasken wie es sie hier zum Beispiel von Garnier gibt. Nur das man sich hier nicht die Haut bleichen will.

Die Frauen tragen zum großen Teil auch im Hochsommer (wir reden hier von einer subtropischen Gegend) langärmelige dicke Pullis um ihre Haut nur nicht der Sonne auszusetzen. Wenn man ihnen sagt, dass diese Aktionen vollkommen sinnlos sind da diese wunderschöne weiße Haut ja keiner zu Gesicht bekommt, kichern sie nur. Ich wurde ausgelacht als ich erzählt habe, dass es hier Solarien gibt wo die Frauen Geld lassen um gebräunt auszusehen. Die dachten das wäre ein Witz.

Challenges

Collarbone-Challenge

Collarbone-Challenge

Die Chinesinnen haben ein Schönheitsideal, dass ihnen vorschreibt dünn zu sein to say the least. Ich meine nicht schlank. Das haben wir hier ja auch. Ich meine spindeldürr. Jemand wie ich, also jemand der hier als schlank gilt, ist dort schon mollig. Wenn überhaupt. Dafür denken die sich so ein paar nette kleine Challenges aus. Eine sieht man hier auf dem Bild. Die Collarbone-Challenge. Wenn die Münzen auf den Schlüsselbeinen liegen bleiben ist man schlank genug. Oder ist man das wirklich? Vielleicht auch doch nicht wenn man bei den anderen Challenges so durchfällt.

A4-Challenge

A4-Challenge

Eine andere Challenge ist die A4-Challenge. Was hier auf dem Bild so aussieht als ob Sportlerinnen ihre Urkunden in den Händen halten ist in Wahrheit der Beweis das sie dem Schönheitsideal entsprechen. Wenn die Taille schmaler ist als ein A4-Blatt hochkant dann hat man die Challenge gewonnen.

Iphone 6-Challenge

I-Phone 6-Challenge

Eine weitere Challenge ist die Iphone 6-Challenge. Wenn man sich ein Iphone (natürlich, was sonst?) auf die zusammengepressten Knie legt und das I-Phone an beiden Enden übersteht hat man auch diese Challenge gewonnen. Wie man auf dem Bild sieht, sehen die Beine zwar schon aus wie die von einer Essgestörten. Aber leider steht das I-Phone nicht über.

Ich kann nicht zählen wieviele Frauen ich in der Mensa beoabchtet habe wie sie sich was zu essen holen und nach drei Bissen einen fast vollen Teller wieder abgegeben haben.

Die Zahl derjenigen die in China eine Essstörung haben ist hoch. Aber das Bewusstsein leider nicht. Natürlich kennt man auch in China Essstörungen aber was will man erwarten von einer Gesellschaft wo das Krankhafte Ideal ist. Das war jedenfalls der Stand als ich dort war. Was sie heute so für Wettbewerbe starten um dünner und dünner zu werden weiß ich nicht.

Aber zum kopfschütteln war es allemal. Man hört hin und wieder das es in China zunehmend ein Problem mit Übergewicht gibt. Und ja, ich habe auch übergewichtige Menschen gesehen. Aber die kann ich an einer Hand abzählen. Die meisten sind dünn. Das liegt natürlich auch an deren Stoffwechsel. An der Ernährung kann es jedenfalls nicht liegen – die ist überwiegend sehr ungesund.

Und so kriege ich an dieser Stelle wieder die Kurve zum Sport. Denn da die Chinesinnen sehr dünn, ja dürr, sein wollen wollen sie auch nicht definiert aussehen. Während es hier von Frauen angestrebt wird „toned“ auszusehen, also eine leichte Definition zu haben, gilt das dort als gar nicht attraktiv. Das wäre ja ein „Mehr“ am Körper und nicht das angestrebte „Weniger“. Soviel dazu.

Damit man auch wirklich aussieht wie die Frauen in den Magazinen gibt es Apps wie „Meitu“. Dort kann man sich große Augen, ein spitzes Kinn, rosigere Lippen, weißere Haut und so weiter machen lassen. Je nachdem wie man die App einstellt sieht man dann als Westler, gerade um die Augen, aus wie ein Alien. Weil so riesengroße Mangaaugen halt komisch aussehen in echt. Die beiden Bilder zeigen eine Studentin einmal bei minimalster Einstellung (also Schönheitskorrektur) und einmal bei mittlerer Stufe. Das sieht nicht einmal aus wie dieselbe Frau. Jetzt habt ihr alle Informationen die nötig sind um mir weiter auf meiner Fitness-Journey zu folgen. Wahrscheinlich sogar ein paar mehr. Nächstes Mal geht es dann wieder um Muschi-Sport.

Wie es dann weiterging…

Nachdem ich also mit Sport angefangen hatte, und es auch schon zur Gewohnheit wurde, hatte ich ganz toll abgenommen. Genug, damit es auch anderen auffällt. Da waren wir stehengeblieben. Das ging eine ganze Weile ganz gut mit der DVD. Irgendwann kam auch eine neue DVD dazu. Irgendwann kam eine richtige Sportmatte dazu. Irgendwann kamen richtige Sportklamotten dazu. Nicht mehr mit fettigen Haaren und ohne BH. Nein, wie so ein Fitnessmodel. Das motiviert ja auch ein bisschen. Ein bisschen? Ja genau. Die Motivation die einem neue Sportklamotten geben hält nun einmal nicht lange an. Meist reicht es genau für einmal Sport machen. Ich habe mir das Zeug damals erst gekauft als ich wusste: Das will ich machen!

Irgendwann war es soweit und ich kaufte mir Hanteln. Erst bin ich der Empfehlung der DVD’s gefolgt und habe mir 0,5kg-Hanteln gekauft. Das ist natürlich vollkommen sinnlos. Was soll man damit trainieren? Aber diese Fitness-Videos sind natürlich darauf ausgelegt, dass man nur etwas „toned“ ist, wie man unter Frauen so schön sagt. Nur ein ganz klitzekleines bisschen Definition. Nicht zu viel. Man will ja nicht „bulky“ aussehen. So wie die Frauen die Bodybuilding machen. Ganz schlimm ist das ja. Wie Männer sehen die aus! Und kaum Brust haben die! Das sieht ja nun wirklich nicht mehr schön aus.

Ein halbes Kilo hat mir jedenfalls nie gereicht. Die Warnungen habe ich in den Wind geschlagen. Auch die unqualifizierten Aussagen, dass ich ja jetzt aufhören könne Sport zu machen – jetzt wo ich so schön abgenommen habe. Jetzt bräuchte ich das ja nicht mehr. Dass das Bullshit ist habe ich schon damals gewusst. Dass das mit dem „bulky“ werden Bullshit ist, weiß ich heute. Eine normale Frau kann gar nicht so aussehen wie weibliche Bodybuilder es zuweilen tun. Dazu fehlt uns nämlich das Testosteron, Mädels! Ja, wenn man es künstlich zuführt, ja dann….dann kann man so aussehen. Ohne Brust und mit massiver Muskulatur. Vermännlicht eben. Aber ohne Steroide? Keine Chance! Übrigens nehmen auch viele Fitness-Models ganz leichte Steroide zu sich, um zu ausszusehen wie sie es eben tun.

Und dann habe ich ja die Entscheidung getroffen in China weiter zu studieren. Und dort wollte ich dann von dem Muschi-Sport weg. (Ich mag das Wort eigentlich nicht, weil es impliziert, dass es super easy ist und gar nicht schwer. Aber natürlich ist es schwer.) Dafür wollte ich hin zum Muschi-Sport (hier richtig verwendet im Sinne von echt badass krass cooler Scheiß). Der Muschisport mit den Eisen, den kurzen und den langen Eisen. Und ich habe mich auch direkt am zweiten Tag in einem Fitnessstudio in Campusnähe angemeldet. Und ich bin dort auch sehr regelmäßig hingepilgert. Aber mit Muschisport war da erstmal nix. Warum, das schreibe ich beim nächsten Mal.

Die Anfänge

Ich würde gerne etwas über Sport schreiben. Wie er mich erleuchtet hat. Und wie gut ich mich damit fühle. Und warum ich das alles eigentlich mache.
Darüber gibt es aber viel bessere Blogs (wie diesen hier).
Ich habe das Gefühl, dass alles schon gesagt wurde. Die üblichen Motivationssprüche hat ja jeder schonmal gehört. Und jeder weiß auch, auf einer abstrakten Ebene, das Sport gut für Körper und Geist ist. Es gibt also nichts was ich sagen könnte, um Leute zu bekehren, oder auch nur meine Begeisterung spürbar werden zu lassen weil alles schon mal gesagt wurde und deswegen abgedroschen klingt.

Das ist aber schade.

Ich habe ursprünglich aus einer ganz dummen Motivation heraus angefangen. Das ist jetzt etwas peinlich. Aber euch kann ich es ja verraten. Ich habe wegen einem Mann angefangen. Ich wollte ihn beeindrucken. Ich wollte, da er selbst sportgebeistert ist, etwas haben was ich mit ihm teilen kann. Und natürlich wollte ich ihm optisch gefallen. Sowas darf man als Frau aber nicht machen. Ich habe eigentlich Selbstbewusstsein, aber die obigen Zeilen konterkarieren das etwas.
Aber wie Arnold Scharzenegger schon sagte: „Es gibt keine schlechte Motivation. Es gibt nur Motivation.“

Um es gleich vorwegzunehmen: Natürlich hat das mit dem Kerl nicht geklappt. Gut so. Was würde ich auch mit einem Typen anfangen, der mich plötzlich mag nur weil ich schlank bin.

Ich habe also angefangen. Wie? Indem ich mir eine DVD gekauft habe. So eine Fitness-DVD mit Pilates drauf. Von der „Brigitte“. Ihr wisst schon. Diese Frauenzeitschrift für die gepflegte Frau ab 50. What’s new im Königshaus, die besten Abnehmtipps und eine Seite weiter die besten Tortenrezepte für den Herbst. Diese „Brigitte“. Warum? Weil ich dachte: „Nicht gleich übertreiben. So ein bisschen Oma-Sport kriegst du hin – auch mit deiner Kondition.“ Ich und meine grenzenlose Arroganz.
Dem war nicht so.

Das ist die besagte DVDIch stand da im Wohnzimmer, ohne BH, fettige Haare, keine Sportmatte sondern eine Wolldecke. Dilettantisch. Nach 5 Minuten war ich kochledergar. Ich habe getrieft vor Schweiß. So stand ich da japsend und nach Luft ringend. Ich brauchte 5 Minuten Pause.
Als ich die DVD wieder gestartete habe sagte mir die übermotivierte Trainerin: „So, war das unser Warm-up. Jetzt lasst uns mit dem Workout beginnen.“
Bitte was? Ich habe insgesamt 5 Pausen gebraucht und bin immer noch nicht am Ende der DVD angekommen. Ich musste abbrechen. Aber ich habe mir vorgenommen, das ich dieses Workout knacken würde und wenn es das letzte wäre was ich täte. Oft genug dachte ich auch, das es das wirklich ist.
Stellt euch jetzt bitte keinen Hochleistungssport vor. Das Workout war vielleicht nicht für die gepflegte Frau ab 50. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass man so etwas mit (damals) 29 schaffen sollte. Ich war einfach nur so unfit.
Ich war damals in der Schule schon so eine, die beim jährlichen Sportfest immer nur eine Teilnehmerurkunde bekommen hat.

Long story short. Irgendwann habe ich das Workout geknackt. Ich habe jeden Tag trainiert. Und mich von Tag 1 an jeden Tag auf die Waage und vor den Spiegel gestellt. Wie das nunmal so ist. Man macht einmal 10 Minuten Sport um abzunehmen und bildet sich selbst ein, dass man den Effekt schon sehen könne. Obwohl das natürlich Quatsch ist.

Aber irgendwann ist es soweit. Irgendwann sieht man den Effekt wirklich. Das ist dann keine Einbildung mehr. Man selbst sieht es natürlich zuallererst. Es gibt da diesen Spruch:

4 Kilo – Du siehst es.
8 Kilo – Deine Freunde sehen es.
12 Kilo – Jeder sieht es.

Ich war mega stolz. Irgendwann habe ich auch noch meine Ernährung umgestellt. Da hatte ich aber schon 17kg verloren. Bei 23 kg habe ich dann die Notbremse gezogen. Ich wurde langsam etwas zu dünn. Low Carb ist zwar ganz nett und hat durchaus seine Berechtigung aber der Erfolg kann durchschlagend sein wenn man nicht aufpasst.

Übrigens: Der Mann wegen dem ich angefangen hatte, den hatte ich über einen langen Zeitraum nicht mehr gesehen. Fast ein halbes Jahr. Und als wir uns wiedergesehen haben, und ich figurtechnisch topmodel-mäßig unterwegs war, meinte er nur: „So fett habe ich dich gar nicht in Erinnerung.“ Charming. Wäre er die einzige Motivation geblieben hätte ich an dieser Stelle wohl entmutigt aufgehört.

Damit dieser Eintrag hier nicht zu lang wird, ist die Geschichte hier zunächst einmal zu Ende obwohl sie natürlich weitergeht.

Und bevor jemand fragt: Nein, ich habe keine Vorher-/Nachher-Bilder gemacht. Dazu bin ich wohl nicht Millenial genug. Aber es gibt aktuelle Fitness-Selfies. Die gehören dann in den anderen Teil der Geschichte.

Apps, Apps, Apps!

Ich bin ohne Internet aufgewachsen. Ich gehöre genau zu der Generation die mitbekommen hat wie langsam die ersten Handies auf den Markt kamen. Nicht diese Telefonzellen, die man damals Mobiltelefon nannte. Die nicht. Ich meine die handy Handys. Die handlichen kleinen Dinger, die in jede Tasche passen.
Das waren noch Zeiten als man auf dem Nokia 3210 ‚Snake‘ spielte. Würde man heute so ein Teil ausgraben hätte es vermutlich noch 2 Striche Akku.

Ich selbst habe mit 18 mein erstes Handy gekriegt. Heute fast undenkbar. Natürlich konnten die Teile fast nix mit ihren monochromen Bildschirmen. Man musste noch SMS tippen, die pro Nachricht auch noch Geld kosteten. Heute genauso undenkbar.

Gegen ein Smartphone habe ich mich lange gewehrt, musste aber schlussendlich einsehen, dass man ohne Smartphone praktisch nicht studieren kann. Da wird mal ein Raum geändert den man online nachschauen muss – und zwar JETZT!

Nachdem ich dann eines hatte, (mit 28!) war ich davon gar nicht mehr wegzukriegen.
Und inzwischen bin ich ein Suchti. Ich komme ohne mein Handy gar nicht mehr klar.
Und das führt mich zum eigentlichen Inhalt dieses Beitrags.
Apps!

Es ist einfach unglaublich, was man mit Apps alles anstellen kann. Inzwischen tracke ich mein ganzes Leben und finde es gar nicht gruselig. Nein, ich finde es toll. Es strukturiert meinen Tag.
Ich habe eine App zur Gewohnheitsbildung. Tolle Sache! Wenn man etwas Positives will, dann macht man es sich zur Gewohnheit. Dafür gibt es Apps. Viele Apps. Ich nutze Habit Bull.
Dort stehen dann Dinge wie:

  • Keinen Alkohol trinken
  • Kraftsport
  • 1x/Tag frisches Obst
  • Meditation
  • Etwas Neues lernen
  • Zum Spaß lesen
  • usw. usf.

 photo whatsapp-2035059_1920_zpskqm3o4tj.jpgUnd jeden Tag gibt es mir ein tolles Gefühl, die verschiedenen Punkte die verschieden oft, aber regelmäßig dran sind, abzuhaken.
Aber das reicht nicht. Oh nein, meine Freunde!

Wie mache ich Sport?
Na, mit KERNWERK. Tolle App!
Wie bleibe ich Alkohol fern?
Na, mit Sober Time.
Wie meditiere ich?
Na, mit Serenity.
Wie lerne ich etwas Neues?
Wenn es sich mal nicht im Real Life ergibt, dann mit Podbean. Dann lerne ich eben mit Podcasts.
Wie lerne ich für mein Examen?
Na, mit Clockwork Tomato und dem Productivity Challenge Timer.
Wie bleibe ich vom Handy fern?
Mit OFFTIME.
Ich habe eine App auf meinem Handy um nicht immer am Handy zu sein. Muss ich mehr sagen?

Klar doch. Ob Kochen, ob Selbstliebe. Für alles gibt es eine App. Ich lasse von einer App meine Schlafqualität messen und aufnehmen wenn ich im Schlaf spreche.
Da ich sehr spät mit dem ganzen Handykram angefangen habe, hat mich das ganze umso schlimmer erwischt.
 photo 13982dcc8983536a452b1455205f5757_zpso5ikbsuj.jpgDie oben genannten Apps sind nur die Spitze des Eisbergs. Ich habe insgesamt 30 Fitness-Apps. 30! In Worten: Dreißig! Ich habe sie eben erzählt und war selbst erstaunt. Ich brauchte halt eine Weile ehe ich die Richtige für mich gefunden habe.
Bei meinen Yoga-Apps will ich gar nicht erst anfangen. Das macht mir aber irgendwie auch Freude. Weil diese Apps, auf die eine oder andere Art, alle dazu da sind Fortschritte zu messen. Und es ist immer schön, seine Fortschritte zu sehen. Außerdem verleiht es meinem Tag Struktur. Kein Rumhetzen und am Ende des Tages immer noch das Gefühl haben alles angefangen aber nix geschafft zu haben. Es ist ein: „Da schau her! Das habe ich heute geschafft.“ Selbst meine Einkaufsliste steuere ich über eine App.

Vielleicht schreibe ich sogar einmal über die ein oder andere App die ich für wirklich empfehlenswert halte.

Von meinem Echo-Dot und wie ich mich mein kleines WG-Zimmer nach und nach smart mache will ich hier gar nicht anfangen. So wurde aus einem absoluten Smart-Noop eine App-Besessene. Das hätte es zu Nokia-Zeiten nicht gegeben.